Ideologie

moneye
Wir als Tier beobachten uns selbst. Und wir als Denker rechtfertigen uns. Wir bauen Erklärungsgebäude in denen wir Wohnung finden. Wir fühlen uns verpflichtet, aus unseren konstruierten Berechtigungen heraus zu handeln. Völlig geblendet durch die eigene Wahrhaftigkeit einer persönlichen Wahrheit, verkennt der Mensch als Denker den eigentlichen Kausalitätsfluss. Denn vielerlei Gedanken finden ihre Aufgabe noch immer in der Existenzberechtigung in einer Welt beschränkten Rechtes. Intellektuelle Emotionen schmücken und übertreiben die direktere Existenz durch die Bestätigung grundlegender Perspektiven aus sich selbst heraus, die Verfestigung existentieller Grundmauern auf dem Überbau verstarrter Fundamente, Fukussierung des eingenommenen Blickfeldes, gedankliche Selbstverwirklichung eigens prophezeiter Visionen.

Der Gelangweilte reflektiert seine eigene Langweiligkeit. Der Weltverdrossene klagt um die Verdrossenheit der Welt. Der Kulturkritiker verarbeitet seine eigene Unproduktivität. Der Idealist verschuldet die Enttäuschung in einer Verweigerung der Mitgestaltung seiner Gesellschaft mit. Er kämpft einen verkrampften Kampf und weiss nicht um die Waffe der freundlichen Akzeptanz. Der Besitzer sieht seine Aufgabe in der Verwaltung der Verantwortungslosigkeit der Besitzlosen. Er kennt nicht die ungerecht systembedingte Beliebigkeit und Vergänglichkeit seines Wohlstandes. Der Hässliche sieht in der Anbetung der Schönheit die oberflächliche Verachtung fehlender Tiefgründigkeit. Er gönnt sich nicht den Genuss der Freude der Perfektion weltlicher Ästhetik. Der Intelligente leidet unter der scheinbar gedankenlosen Existenz desinteressierten Lebens. Er ignoriert sein oftmals fürchterlich eingeschränktes Erleben der unendlich vielfältigen Umwelt. Der Philosophe destilliert die allgegenwärtige Allgemeingültigkeit aus den Inhalten der Existenz. Er verliert dabei vermehrt den Bezug zur konkreten Realität individueller Manifestation und damit den Anspruch auf inhaltliche Verwertbarkeit. …

Eine Berechtigung der Ideologie lässt sich in ihrer Einheit erahnen. Nur der Friede kann sie schliesslich überwinden. Erst die Verüberflüssigung der Gewalt ermöglicht endlich die Verflüchtigung jeglicher ausufernden Machtansprüche hinein in den Nebel der Sagenwelt. Ideologie ist ein Produkt des Konfliktes. Erst das Glück befähigt zur Transzendenz der Rechtfertigung von Leben, Bewegung, Aktion. Der Logos der Idee ist die Bewältigung unserer eingeschränkten Wahrnehmung.

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