Die Mühle des Relativismus

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Der vulgäre Relativismus wird gemeinhin als passiv und hemmend gesehen. Die Idee dabei ist, dass, weil jegliche Wertung einer Aktion gänzlich von der wertenden Perspektive abhängt, irgendwie alles akzeptabel bzw. nichts eine bedeutende Reaktion wirklich wert sei. Die Unstimmigkeiten in dieser oberflächlichen Behandlung sind einige.

Erstens wird die Reaktion als gleichwertig valide Aktion unangebracht vernachlässigt. Ein Einwand als solches ist genauso relativ richtig und gleichzeitig falsch wie eine Aussage, die Tat an sich ebenso eingeschränkt motiviert und gerechtfertigt wie ihre Antworten und Folgen.

Weiter zeugt der Relativismus oftmals von einer geradezu lächerlichen Überheblichkeit und Ignoranz. Schliesslich ist ein jeder Einzelner eben nicht Gottes Inkarnation. Es gelten für jegliche Position in der Raumzeit genau die relativ absoluten Umstände ihrer Situation. Aussagen und Aktionen erfolgen ja gerade nicht in der Unendlichkeit der Möglichkeiten, sondern immer in der Instanz dieses manifestierten Universums. Insofern verliert die “Relativitätstheorie” in der Wirklichkeit der praktischen Einzigartigkeit ihre Autorität. Der postmoderne philosophische Grundsatz universeller Dekonstruktion zerlegt sich selbst in den kontinuierlichen Strom der Einzelfälle des Daseins.

Auch der Relativismus opfert sich schliesslich nur seiner besten Definition. Eine ernsthaftere Untersuchung seines Potentials verhilft ihm hoffentlich in der Ideenschmiede vermehrt vom rostigen Gedanken him zum edlen Werkzeug der Bewusstseinsmodellierung.

Der egalitär gerechte Umgang mit dem Realtivismus löst diesen in sich selbst auf. Wo alles erlaubt ist, dort entwickeln sich zwangsläufig neue Sitten und Umgangsformen. Wo scheinbar kein Glaube übrig ist, dort wird sofort Raum frei für neues Dogma. Anders gesagt verpflichtet die Erkenntnis menschlicher Freiheit durch natürliche Einschränkungen zur Auseinandersetzung mit ihrer konkreten Anwendung. Ein weltoffener Atheist kann sich beispielsweise mit den sozialen, psychologischen und historischen sinnvollen Funktionen von Glaube und Religion beschäftigen und für sein eigenes Leben von diesen lernen und in der weltlichen Applikation der Überzeugung den Nutzen finden.

Die Versöhnung oder Bewältigung des Relativismus ist ein stetiger Prozess der nicht abgeschlossen werden möchte, sondern vielmehr dem Wanderer als Wegweiser und Gehhilfe dienen will. Er funktioniert als Sicherheitsnetz bei einem Fall in den Abgrund, wie auch beim aufgeblasenen Hinfortschweben. Er ist die Säule inmitten der Wendeltreppe der Wahrheit, der Perspektivismus das Navigationssystem im Labyrinth der Philosophie. Er ist die Mühle der Partikel des geistigen Kosmos.

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