Die Rose

Eine hübsche rote Rose verlegen in der Hand. Für die hübsche neue Freundin, die ja eigentlich schon vergeben war. Ein schöner Gedanke. Diese Kreisen meist nur noch um ihr Gesicht. Ob wohl ihr es mit meinem manchmal auch so geht? Hin- und hergerissen zwischen Signalen und Worten, eigenen Bedenken und Träumen. Bin ich zu jung für sie, ist sie zu alt für mich? Dabei ist sie doch so kindlich fröhlich und hoffnungsvoll süss und ich im Vergleich zu ihr noch immer verstockt und mürrisch wie ein alter Sack, voller blöder Gedanken.

Sie neckt mich mit Geschichten von ihrem Liebsten so gern. Hoffentlich ein verwirrter armer Schlucker wie ich. Dabei will ich nicht Greis, sondern Kind sein, mit dem Herz nicht im Sack verstaut, sondern inmitten dem Gesicht auf der Stirn. Hätte sie doch nur mehr Zeit für mich. Wenigstens lässt sie mir so schön Zeit, mir zu denken, was es eigentlich ist das ich will und darüber zu lamentieren. Nächstes Mal bringe ich ihr dann die hübsche rote Rose mit. Hoffentlich verachtet sie nicht sterbende Pflanzen, in die jemand teuer investiert hat, damit sie ihnen beistehen kann beim Verwelken. Auch sie würde irgendwann dann verwelken. Ihre frischesten Tage hat sie vielleicht schon hinter sich. Doch ich kann mir gar nichts Lieblicheres mehr vorstellen, als ganz viel zu investieren, um sie schauen zu dürfen beim Welken, sie zu riechen, zu halten und zu begleiten.

Sie sagt, sie will den Kuss vor der Ehe nicht. Ich glaube, sie provoziert mich sehr. Ich sollte mehr wagen mit ihr, sonst verwelkt sie dann für jemand anderen. Sie sagt, sie versteht meine Gedichte nicht. Wie soll ich denn das verstehen? Zu viele Worte, zu wenige Beweise der Affektion. Sie kann sich sehr schnell entscheiden. Ihrer kleinen Kirche ist sie sofort beigetreten. Sie arbeitet ständig an sich selbst und lernt sehr gerne über alles in der Welt und die eigene Person. Doch ihren kleinen Freund lässt sie anscheinend warten. Ich sollte sie nicht zu lange warten lassen.

Sie mag mich auch gerne. Einen langen Spaziergang vor ein paar Monaten genossen wir beide sehr. Doch jetzt lässt sie auch mich warten. Ich sollte es nicht persönlich nehmen. Sie muss sich um sich selbst kümmern, sonst macht sie wieder zuviel und wird krank wie auch schon. Krank machen uns meist unsere Emotionen. Möglicherweise weiss sie auch nicht so recht, wo es hingehen soll. Hoffentlich finden wir gemeinsam einen Weg, der uns glücklich macht. Und wenn ihr kleiner Freund doch schneller ist als ich, dann schreibe ich ihr wieder einmal einen Brief, den sie nicht versteht und beobachte sie beim Welken aus der Ferne.

Es war super gemütlich bei ihr zuhause. Sie hatte uns Essen gemacht und als ich nach dem grossen Spaziergang so müde geworden war vor dem Essen, da durfte ich mich hinlegen auf ihr Sofa in ihrem Wohnzimmer und ein wenig schlafen. Hübsche Musik spielte sie ab. In ihrer Wohnung ist alles beschriftet. Sie hütet regelmässig Kinder, ohne Bezahlung, ganz aus Liebe und Überzeugung. Ich möchte nicht ein behütetes Kind sein, oder zumindest auch sie dann gleichsam behüten können.

Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Ich sollte mich um sie erkundigen. Doch zuerst müssen meine eigenen Umwälzungen erledigt sein. Und ein Beweis von Geduld ist vielleicht auch ganz schön. Aber nächstes Mal werde ich ihr sagen, was ich fühle. Zum nächsten Spaziergang bringe ich eine hübsche rote Rose mit. Ich werde sie fragen, ob ich sie küssen darf. Ich würde es ja einfach tun, doch ihre Wünsche und Ideale sind mir doch heilig. Ich hoffe, sie sind nicht blosse Provokation und meine Zurückhaltung nicht gänzlich die Angst vor der neuen Liebe. Sie ist jedenfalls eine wunderbare Herausforderung, für die ich mich hiermit bedanke beim Herren des Kosmos, dem grossen Architekten und seinem Sohn.

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