Der kleine Besucher

minus4

Eines Tages erwacht ein neugieriges kleines Kind. Leider weiss es selbst nicht, woher es eigentlich kommt. Doch spricht es zu den Menschen und sie mögen es sehr. Das Kind lernt mit ihnen allerlei schöne Dinge kennen. Es lernt einen Baum kennen und die Menschen erzählen ihm von fernen Wäldern. Es lernt eine Frau kennen und sie erzählt ihm von der Liebe. Es lernt einen Gelehrten kennen und er erzählt ihm von den Idealen. Es lernt gar einen alten Mann kennen, der erzählt ihm von Gott.

Das Kind frohlockt mit den Menschen und ist hocherfreut über die schönen Erzählungen und all die gelernten Dinge. Doch während es mit den Menschen geniesst und bespricht, da merkt es immer wieder, dass sie sich gar nicht einig sind über ihre Dinge. Alle sind sie sich noch einig über die schönen Bäume und über die fernen Wälder. Die sind für viele sehr wichtig und die meisten mögen sie sehr gern. Doch schon die Liebe scheinen einige gar nicht zu kennen. Andere beschreiben die Liebe mit ihren Gefühlen, doch davon halten wieder andere nicht viel. Die wieder anderen beschreiben die Liebe aber mit Zahlen und Bildern. Einige beschreiben die Liebe mit Zahlen und sagen, die Liebe an sich gibt es ja eigentlich nicht. Das Kind hört allen Menschen gespannt zu. Dem Kind gefallen alle Gefühle, aber auch die Zahlen und Bilder mag es sehr. Nur versteht es nicht, wieso einige etwas beschreiben und dann behaupten, dass es das Ding gar nicht gibt. Es ist auch ein äusserst kluges Kind und auch wenn es noch nicht sehr viele Dinge kennt, so kann es zur Freude vieler Menschen allen Beschreibungen schon sehr gut folgen. Aber auch mit anderen Begriffen scheint es den Menschen ähnlich zu gehen wie mit der Liebe. Viele scheinen doch unglaublich verwirrt. Obwohl die meisten von sehr vielen Dingen reden, sind sie sich gar nicht einmal einig, ob es sie denn überhaupt gibt. Sie kämpfen und streiten manchmal um Ideale, ohne sich einig zu sein um was es bei diesen denn eigentlich geht. Das Kind stören die vielen Beschreibungen nicht, denn es mag sie alle wirklich sehr; bloss das Streiten, das versteht es nicht.

Die Menschen bauen auch wunderschöne Häuser und singen sehr oft für Gott. Sie beschreiben ihn auch mit Gefühlen und andere mit Zahlen und Bildern und alten Geschichten und dem Kind gefällt das alles wiederum sehr. Doch viele der Menschen scheinen traurig beim Singen und Erzählen über Gott. Sie erzählen von ihm in alten Geschichten, können ihn manchmal jedoch überhaupt gar nicht beschreiben.

Die Menschen haben sehr seltsame Schwierigkeiten mit all ihren schönen Dingen, denkt sich das Kind, als es sich endlich wieder erinnert, woher es eigentlich kommt. Es kommt nämlich aus einer anderen Welt, in der die Menschen gar nicht so grosse Schwierigkeiten haben. Andererseits haben die Menschen dort auch nicht so viele schöne Beschreibungen für all ihre Dinge. Das Kind überlegt nun sehr lange und beschliesst schliesslich, bei den verwirrten Menschen und ihren schönen Dingen doch wohnen zu bleiben, denn es mag sie mittlerweile ja sehr. Es liebt all die schönen Beschreibungen und vor allem mag es zu sehen, wie all die Menschen selbst sie auch langsam lieben lernen und immer weniger streiten. Das Kind bleibt bei den verwirrten Menschen, in der Hoffnung, dass ihnen mit dem wachsenden Frieden die vielen wunderbaren Beschreibungen doch erhalten bleiben.

Bild gestiftet von kiwisbybeat.com/minus
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