Geburt

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Ein neugeborenes Kind hat zwangsläufig Angst. Im Mutterleib hatte es keine Angst. Ich habe noch nie gehört, dass ein Kind im Mutterleib daran gedacht hätte, in die Synagoge oder in die Kirche zu gehen, die Bibel, den Koran oder die Gita zu lesen, oder dass es sich überhaupt darum schert, ob es einen Gott gibt oder nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kind im Mutterleib irgendein Interesse an Gott, am Teufel, an Himmel oder Hölle haben sollte. Wozu auch? Es ist bereits im Paradies. Das Leben könnte nicht besser sein. Völlig geborgen in seinem warmen, behaglichen Heim, schwimmt es in einer nährenden Flüssigkeit. Und erstaunlicherweise wächst das Kind in diesen neun Monaten verhältnismässig schneller als in den nächsten neunzig Jahren. In neun Monaten legt es eine immens lange Reise zurück; sozusagen aus nichts entsteht ein neues Wesen. In neun Monaten durchläuft es Millionen Jahre der Evolution – sämtliche Phasen vom allerersten Lebewesen bis zum heutigen Tag. Und sein Leben ist vollkommen behütet: Es braucht keinen Job zu suchen, es hat keine Angst zu verhungern. Im mütterlichen Körper wird es mit allem versorgt. Doch diese neun Monate, die das Kind in völliger Sicherheit im Mutterleib verbringt, sind die Ursache eines Problems, das zur Entstehung eurer so genannten Religionen geführt hat.

Das Erste, was das Kind erfährt, wenn es aus dem Mutterleib kommt, ist Angst. Das ist ganz natürlich, denn es hat ja sein Zuhause verloren und alle Sicherheit ist dahin. Seine Wärme, seine Umgebung, seine ganze ihm vertraute Welt sind verloren gegangen und es wird in eine fremde Welt geworfen, von der es nichts weiss. Nun muss es selbst anfangen zu atmen. Es dauert ein paar Sekunden, bis das Kind begreift, dass es nun selber atmen muss – die Atmung der Mutter hilft ihm nicht mehr. Und um es zur Besinnung zu bringen, hält es der Arzt an den Füssen hoch und haut ihm feste auf den Hintern. Was für ein Anfang! Und was für ein Willkommen!

Wegen dieses Schlages fängt das Kind an zu atmen. Hast du schon einmal beobachtet, wie sich deine Atmung verändert, wenn du Angst hast? Wenn nicht, kannst du es jetzt nachholen. Immer wenn du Angst bekommst, verändert sich sofort deine Atmung. Und wenn du dich sicher und geborgen fühlst und vor nichts Angst hast, dann spürst du, wie ausgeglichen deine Atmung ist, wie sie ganz harmonisch und ruhig wird. In tiefer Meditation kommt es manchmal vor, dass du meinst, deine Atmung stünde still. Sie steht nicht still, aber sie ist fast zur Ruhe gekommen. Für das Kind steht also am Anfang die Angst vor allem. Neun Monate lang hat es im Dunkeln zugebracht, doch in dem modernen Krankenhaus, in dem es jetzt geboren wird, gibt es überall nur grelle Neonröhren. Für seine Augen, für seine Netzhaut, die noch nie Licht gesehen hat, nicht einmal Kerzenlicht, ist das zu viel. Dieses Licht ist ein Schock für seine Augen.

Und der Arzt lässt ihm nicht einmal ein paar Sekunden Zeit, er zerschneidet die Nabelschnur, die es noch mit dem Mutterleib verbindet, seine letzte Hoffnung auf Sicherheit. So ein kleines Wesen! Ihr wisst ja, dass kein anderes neugeborenes Lebewesen so hilflos ist wie das menschliche Kind. Deshalb haben Pferde keine Hypothese von Gott aufgestellt. Auch die Elefanten haben sich nie mit der Idee eines Gottes beschäftigt. Das brauchen sie auch nicht. Ein Elefantenkind fängt sofort an zu laufen, sich umzuschauen und die Welt zu erkunden. Es ist nicht so hilflos wie ein Menschenkind.

Ihr werdet überrascht sein, was alles aus der Hilflosigkeit des Kindes resultiert: eure Familie, eure Gesellschaft, eure Kultur, eure Religion, eure Philosophie – sie alle sind durch die Hilflosigkeit des Kindes bedingt. Bei den Tieren gibt es keine Familien in unserem Sinne, weil das Junge die Eltern nicht so lange braucht. Nur der Mensch musste sich ein bestimmtes System ausdenken. Vater und Mutter müssen zusammenleben, um für das Kind zu sorgen. Das Kind ist schliesslich das Ergebnis ihrer Liebesbeziehung, sie haben es in die Welt gesetzt. Ein Menschenkind könnte man unmöglich sich selbst überlassen, wie das bei vielen Tierkindern der Fall ist. Es würde niemals überleben. Wo sollte es Nahrung finden? Wen könnte es fragen? Was sollte es fragen?

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Ist es vielleicht zu früh auf die Welt gekommen? Manche Biologen sind der Meinung, dass das menschliche Kind zu früh geboren wird. Die neun Monate reichen nicht aus, es ist völlig hilflos. Doch so wie der menschliche Körper gebaut ist, kann die Mutter das Kind nicht länger als neun Monate tragen, sonst stirbt sie. Und ihr Tod würde auch den Tod des Kindes bedeuten. Man hat ausgerechnet, dass ein Kind, wenn es mindestens drei Jahre im Mutterleib bleiben könnte, wahrscheinlich keinen Vater, keine Mutter, keine Familie, keine Gesellschaft, keine Kultur, keinen Gott und keine Priester bräuchte. Aber das Kind kann nicht drei Jahre im Mutterleib zubringen. Diese merkwürdige biologische Konstellation hat das gesamte menschliche Verhalten und Denken bis hin zur Struktur der Familie und der Gesellschaft geprägt und hat die Angst hervorgebracht.

Die erste Erfahrung des Kindes ist Angst. Und die letzte Erfahrung des alten Menschen ist ebenfalls Angst. Vergiss nie, dass die Geburt auch eine Art Tod ist. Versetze dich einmal in die Lage des Kindes. Es hat in einer Welt gelebt, die alle seine Bedürfnisse befriedigt hat. Es hat ihm an nichts gefehlt, es hatte keinerlei Verlangen. Es hat sich einfach seines Daseins, seines Wachstums erfreut, und dann wird es plötzlich hinausgeworfen. Für das Kind ist dies eine Todeserfahrung – der Tod seiner ganzen Welt, seiner Sicherheit, seines behaglichen Zuhauses. Die Wissenschaftler sagen, es sei uns bis heute nicht gelungen, ein Zuhause zu schaffen, das so behaglich ist wie der Mutterleib. Wir haben es immer wieder versucht. Alle unsere Wohnungen sind nichts anderes als Bemühungen, dieses behagliche Zuhause wiederherzustellen. Selbst Wasserbetten haben wir erfunden, um uns dieses Gefühl zurückzugeben. Auch in einer heissen Badewanne kannst du dich ein wenig wie ein kleines Kind fühlen. Wer sich mit heissen Bädern auskennt, gibt auch noch Salz hinein, weil es im Mutterleib genauso salzig ist wie im Meer. Aber wie lange kannst du in der Badewanne liegen bleiben? Auch unsere Isolationstanks sind eine Suche nach dem verlorenen Mutterschoss.

Sigmund Freud ist kein Erleuchteter, genau genommen ist er ein bisschen verrückt, aber manchmal haben auch Verrückte gute Ideen. Freud glaubte, das Verlangen des Mannes, mit einer Frau Liebe zu machen, sei nichts anderes als der Versuch, wieder in den Mutterleib zurückzukommen. Da mag etwas Wahres dran sein. Der Mann ist verrückt und die Idee scheint vielleicht zu weit hergeholt. Aber selbst wenn er verrückt war – einem Mann wie Sigmund Freud muss man sehr genau zuhören. Ich glaube, darin ist ein Körnchen Wahrheit enthalten: die Suche nach dem Mutterleib, nach dem gleichen Durchgang, durch den der Mann herausgekommen ist. Aber er findet nicht wieder in den Mutterleib zurück, das ist nun einmal so. Stattdessen hat er alle möglichen anderen Dinge geschaffen. Er hat Höhlen, Häuser und Flugzeuge gebaut. Schau dir das Innere eines Flugzeugs an; es wäre kein Wunder, wenn die Leute dort eines Tages in Wannen mit heissem, salzigem Wasser schwimmen würden. Das Flugzeuginnere kann die gleiche Situation simulieren, aber auch das wird dich nicht zufrieden stellen.

Das Kind hat nie etwas anderes gekannt. Und jetzt versuchen wir uns genauso behaglich einzurichten. Du brauchst bloss auf einen Knopf zu drücken und schon ist die Stewardess bei dir. Wir machen es uns so angenehm wie möglich, aber den Mutterleib können wir nicht nachmachen. Dort hast du nicht einmal auf den Knopf drücken müssen. Schon bevor du hungrig warst, bekamst du Nahrung; schon bevor du Luft brauchtest, war sie da. Du musstest dich um gar nichts kümmern.

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Wenn das Neugeborene also überhaupt etwas empfindet, dann kann es seine Geburt nur als Tod empfinden. Es kann sie nicht als Geburt empfinden. Unmöglich! Das ist unsere Vorstellung, die Vorstellung derer, die draussen stehen. Wir nennen es Geburt. Und beim zweiten Mal – eines Tages, am Ende eines mühevollen Lebens … Du hast etwas erreicht – ein kleines Haus, eine Familie, einen kleinen Freundeskreis, ein wenig Wärme, einen kleinen Winkel auf der Welt, wo du dich entspannen und du selbst sein kannst, wo du akzeptiert wirst. Es war nicht einfach. Ein Leben lang hast du dich angestrengt und plötzlich merkst du eines Tages, dass du schon wieder hinausgeworfen wirst. Der Arzt ist wieder da – ausgerechnet der Mann, der dich schon einmal geschlagen hat! Damals geschah es, um die Atmung in Gang zu setzen. Diesmal, soweit wir es von unserer Seite aus beurteilen können … Die andere kennen wir ja nicht. Sie bleibt der Phantasie überlassen. Daher Himmel und Hölle – darüber gibt es die wildesten Phantasien. Aber noch befinden wir uns auf dieser Seite und ein Mann stirbt – jedenfalls für unsere Augen. Vielleicht wird er auch wiedergeboren. Aber das weiss nur er und er kann sich jetzt ja nicht mehr umdrehen und sagen: “Macht euch keine Sorgen. Ich bin nicht tot, ich lebe noch.” Er konnte sich schon im Leib seiner Mutter nicht umdrehen, noch einmal zurückschauen und Lebewohl sagen. Genauso wenig kann er sich jetzt umdrehen, die Augen öffnen, sich von euch allen verabschieden und sagen: “Nur keine Sorge, ich sterbe nicht. Ich werde wiedergeboren.”

Die hinduistische Vorstellung der Wiedergeburt ist nichts anderes als eine Projektion der Geburt. Für den Mutterleib – wenn er denken könnte – ist das Kind tot. Auch das Kind – falls es denken kann – glaubt, dass es stirbt. Doch es wird geboren; es ist kein Tod, es ist eine Geburt. Die Hindus haben die gleiche Vorstellung auf den Tod projiziert. Von dieser Seite sieht es so aus, als würde an sterben, aber von der anderen Seite … Doch die andere Seite ist unserer Phantasie überlassen. Wir können alles hineinlegen, was wir wollen.

Jede Religion stellt sich die andere Seite auf ihre Art vor, denn jede Gesellschaft und jede Kultur entstammt einem anderen geographischen Raum mit einer anderen Geschichte. Die Tibeter zum Beispiel können sich die andere Seite nicht las etwas Kühles vorstellen. Sie fürchten selbst noch die Kühle, von der Kälte ganz zu schweigen. Die Tibeter denken sich, dass der Tote es schön warm hat. In seiner neuen Welt ist es immer warm. Ein Inder kann sich nicht vorstellen, dass es immer warm ist. Schon die vier Monate Hitze in Indien sind zu viel! Und dann in alle Ewigkeit warm – da wirst du ja gekocht! Die Indus hatten keine Ahnung von Air-conditioning, aber die Art, wie sie ihr Paradies beschreiben – beinahe air-conditioned! Immer milde Luft, nicht zu heiss und nicht zu kalt; es ist immer Frühling, indischer Frühling natürlich, alle Blumen blühen, die Lüfte sind voller Blütenduft, die Vögel singen. Alles ist lebendig, doch die Luft ist nicht warm, nur mild; das wird immer wieder betont. Da weht nur milde Luft. Diese Vorstellungen sind alle nur Projektionen des Verstandes, sonst könnte es nicht bei den Tibetern, den Indern oder den Mohammedanern unterschieliche Paradiese geben. Der Mohammedaner kann sich ide andere Welt nicht als Wüste vorstellen, wo er doch so unter der arabischen Wüste gelitten hat. Für ihn ist die andere Welt eine einzige Oase. Nicht dass du irgendwo nach hundert Meilen an eine kleine Oase mit ein bisschen Wasser und ein paar Bäumen kommst. Nein, ringsherum ist nur Oase und nirgends Wüste.

Das alles projizieren wir. Aber für den sterbenden Menschen ist es der gleiche Prozess, den er schon einmal durchgemacht hat. Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Mensch im Augenblick des Todes, vorausgesetzt er wird nicht bewusstlos, sein ganzes Leben vor sich ablaufen sieht, angefangen vom ersten Augenblick, als er geboren wurde. Es scheint bedeutungsvoll zu sein, dass er sich alles Geschehene noch einmal ansehen kann, bevor er die Welt verlässt. In nur wenigen Sekunden läuft seine ganze Biographie vor ihm ab, genau wie im Kino. Es geht blitzschnell: In einem zweistündigen Kinofilm sind meist nur einige Tage untergebracht. Wenn dein Leben in der gleichen Geschwindigkeit vor dir abliefe, würdest du zwei Jahre lang im Kino sitzen. Wer könnte sich das leisten? Nein, der Kalender läuft rasend schnell ab und die Altersstufen ändern sich rasch. Im Moment des Todes geht alles sehr viel schneller. In einem einzigen Augenblick rast das ganze Leben an einem vorbei und hält bei der ersten Lebensminute an. Genau der gleiche Prozess wiederholt sich noch einmal. Der Kreis des Lebens hat sich geschlossen.

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Wisst ihr, warum ich euch daran erinnern wollte? Weil euer Gott nichts anderes ist als die Angst eures ersten Lebenstages, die bis zum letzten Augenblick immer grösser und grösser wird. Deshalb kann es sich ein junger Mensch vielleicht noch leisten, Atheist zu sein, aber im Alter wird es brenzlig. Wenn er mit einem Bein schon im Grab steht und du ihn auf der Schwelle des Todes fragst: “Bist du noch Atheist?”, dann wird er antworten: “Das muss ich mir noch mal genau überlegen”, aus Angst, was mit ihm passieren wird, wenn seine ganze Welt sich auflöst.

Du sagst: “Sobald ich daran denke, die Vorstellung von Gott aufzugeben, bekomme ich grosse Angst.” Das ist ein klares Zeichen dafür, dass du mit dem Felsblock dieser Vorstellung deine Angst unterdrückst. Und in dem Moment, in dem du den Fels beiseite schiebst, kommt die Angst wieder zum Vorschein. Wenn Angst aufkommt, musst du dich ihr stellen. Es hilft dir nichts mehr, sie mit der Vorstellung von Gott zuzudecken. Du kannst nicht einfach wieder in deinen alten Glauben zurückfallen. Damit ist es vorbei. Du kannst nicht mehr an Gott glauben, denn der Zweifel ist jetzt eine Realität und der Glaube eine Fiktion. Und keine Fiktion kann einer Tatsache standhalten. Gott wird ab jetzt für dich eine Hypothese sein und damit verlieren deine Gebete ihren Sinn. Du weisst, dass es eine Hypothese ist, das kannst du nicht mehr vergessen.

Wenn du eine Wahrheit einmal begriffen hast, dann kannst du sie unmöglich wieder vergessen. Das ist eine der Eigenschaften der Wahrheit, dass man sich nicht an sie zu erinnern braucht. An die Lüge musst du dich stets erinnern, sonst könntest du sie vergessen. Jemand, der ständig lügt, braucht ein besseres Gedächtnis als jemand, der immer die Wahrheit spricht, weil ein aufrichtiger Mensch sich nichts merken muss. Wenn du nur die Wahrheit sagst, brauchst du dich an nichts zu erinnern. Aber wenn du lügst, musst du dir genau merken, wem du diese Lüge und wem du jene Lüge erzählt hast, und alles im Kopf behalten. Und wenn dir jemand Fragen dazu stellt, musst du immer neue Lügen erfinden. Lügen halten nichts von Geburtenkontrolle. Die Wahrheit ist zölibatär, sie hat keine Kinder. Tatsächlich ist sie nicht einmal verheiratet.

Wenn du einmal verstanden hast, dass Gott nur eine Hypothese ist, die von den Priestern, den Politikern, der Machtelite und den Pädagogen erfunden wurde – von all jenen, die dich psychologisch versklaven wollen, die ein persönliches Interesse an deiner Versklavung haben … Sie alle möchten, dass du ständig in Angst lebst, dass du innerlich zitterst, denn wenn keine Angst da ist, stellst du eine Gefahr dar.

Du kannst also entweder Feigling sein, ängstlich, fügsam, unterwürfig, jemand, der keine Würde und keine Selbstachtung hat – oder du kannst furchtlos sein. Aber dann bist du unvermeidlich ein Rebell. Entweder du bist ein Mensch, der glaubt, oder du wirst ein rebellischer Geist. Die Leute also, die nicht möchten, dass ihr Rebellen seid, weil eure Rebellion gegen ihre Interessen gerichtet wäre, zwingen euch eure Konditionierung als Christen, als Mohammedaner oder Hindus auf, damit ihr vor Angst zittert. Darauf beruht ihre Macht. Alle, die Macht ausüben wollen, die ihr ganzes Leben lang nur nach Macht streben, ziehen aus dieser Hypothese von Gott ungeheuren Nutzen.

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Wenn du Angst vor Gott hast – und wer an Gott glaubt, muss notwendigerweise Angst haben –, dann musst du seine Gebote befolgen, seine heiligen Schriften einhalten, seinem Messias, seiner Verkörperung oder seinem Stellvertreter nachfolgen. Du musst ihm und seinen Agenten gehorchen. Doch tatsächlich existieren nur diese Agenten, Gott gibt es überhaupt nicht! Das ist in der Tat ein seltsames Geschäft. Religion ist das seltsamste Geschäft überhaupt. Es gibt keinen Boss, sondern nur die Vermittler: den Priester, den Bischof, den Kardinal, den Papst, den Messias, die ganze Hierarchie – und oben drüber ist niemand. Jesus, der eingeborene Sohn, bezieht seine Macht und Autorität von Gott. Der Papst, der einzige wahre und unfehlbare Stellvertreter, bezieht seine Autorität von Jesus, und so geht es immer weiter bis hinab zum untersten Priester. Aber einen Gott gibt es nicht, es ist nur deine Angst. Du wolltest, dass Gott erfunden wird, weil du nicht alleine leben konntest. Du warst unfähig, dem Leben mit seinen Schönheiten, seinen Freuden, seinen Leiden und seinen Nöten gegenüberzutreten. Du warst nicht bereit, sie alleine zu erfahren, ohne dass dich jemand beschützt, ohne dass jemand als Schutzschirm funktioniert. Aus lauter Angst hast du nach einem Gott verlangt. Und Helfershelfer gibt es natürlich überall. Du brauchst nur darum zu bitten und sie erledigen alles für dich.

Diese Vorstellung von Gott, die dich vor der Angst bewahrt, musst du loslassen. Du musst durch die Angst hindurchgehen und sie als menschliche Realität akzeptieren. Man braucht nicht davor wegzulaufen, im Gegenteil, man muss tief in sie hineingehen. Und je tiefer du in deine Angst hineingehst, umso weniger existiert sie. Wenn du den tiefsten Grund der Angst erreicht hast, wirst du einfach nur lachen. Es gibt nichts zu fürchten. Wenn die Angst verschwindet, taucht Unschuld auf. Und diese Unschuld ist das höchste Gut, die eigentliche Essenz eines religiösen Menschen. Diese Unschuld ist Macht. Diese Unschuld ist das einzige Wunder, das es gibt. Aus dieser Unschuld kann alles geschehen. Doch sie macht dich nicht zum Christ oder zum Mohammedaner.

In dieser Unschuld bist du einfach nur ein gewöhnlicher Mensch, der seine Gewöhnlichkeit ohne Vorbehalte annimmt und frohen Herzens lebt; ein Mensch, der der ganzen Existenz dankbar ist – nicht Gott, denn das ist eine Vorstellung, die dir andere eingepflanzt haben. Die Existenz ist keine Vorstellung. Sie umgibt dich überall, innen wie aussen. Wenn du vollkommen unschuldig bist, entsteht eine tiefe Dankbarkeit in dir – ich will es nicht Gebet nennen, weil du im Gebet um etwas bittest, ich möchte es eine tiefe Dankbarkeit nennen, die in dir aufsteigt. Anstatt um etwas zu bitten, dankst du für etwas, das du schon bekommen hast. So vieles ist dir schon gegeben worden. Hast du es dir verdient? Die Existenz schüttet so viel über dir aus, dass es einfach unschön wäre, um mehr zu bitten. Sei doch dankbar für all das, was du bekommen hast. Und das Schönste daran ist: Wenn du dankbar bist, gibt dir die Existenz immer mehr und mehr und ein Kreislauf entsteht. Je mehr du bekommst, umso dankbarer wirst du. Je dankbarer du wirst, umso mehr gibt sie dir …

Osho

 

I love the book THUS SPAKE ZARATHUSTRA. I love very few books; I can count them on my fingers….
THUS SPAKE ZARATHUSTRA will be the first on my list.
THE BROTHERS KARAMAZOV is the second.
Third is THE BOOK OF MIRDAD.
Fourth is JONATHAN LIVINGSTON SEAGULL.
The fifth book is TAO TE CHING by Lao Tzu.
The sixth is THE PARABLES OF CHUANG TZU. He was the most lovable man, and this is the most lovable book.
Seventh is THE SERMON ON THE MOUNT – only THE SERMON ON THE MOUNT not the whole Bible. The whole Bible is just bullshit except THE SERMON ON THE MOUNT.
Eighth… is my numbering right? That’s good. Then you can feel that I am still in my insanity.
The eighth, BHAGAVADGITA – the divine song of Krishna. By the way ’Christ’ is only a mispronunciation of ’Krishna’ just as ’Zoroaster’ is of ’Zarathustra’. ’Krishna’ means the highest state of consciousness, and the song of Krishna, the BHAGAVADGITA, reaches to the ultimate heights of being.
Ninth, GITANJALI. It means ’an offering of songs’. It is the work of Rabindranath Tagore, for which he got the Nobel prize.
And the tenth is the songs of Milarepa – THE ONE THOUSAND SONGS OF MILAREPA – that’s how it is called in Tibetan.

Osho, Books I Have Loved
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2 thoughts on “Geburt

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